Samstag, 16. April 2011

genugtuung

"Absolut nichts ist in Ordnung / Absolut nichts ist OK"

Langsam öffne ich das Fenster, beinahe bedächtig, als könnte das Glas aus dem Rahmen fallen, wenn ich es zu schnell bewege. Ich schaue hinaus. Die ruhige Straße, die gleißende Mittagssonne, der königsblaue Himmel. Aus einem anderen Blickwinkel könnte ich bestimmt den Asphalt flimmern sehen, aber von hier oben bricht sich das Licht falsch. Autos parken mit zwei Reifen auf dem Bürgersteig. Mein Entschluss steht fest. Es ist ein schöner Tag, es zu tun - vielleicht eine bleibende Erinnerung und Genugtuung. Ich gehe kurz zurück. Ja, es wird eine Genugtuung sein. Ich klappe meinen Laptop zu und ziehe das Netzteil aus der Steckdose, mit dem Kabel umwickle ich den Rest. Ich habe den Laptop fest im Arm, gehe ein paar Schritte rückwärts. Ich muss noch einmal ruhig durchatmen, weil noch Zweifel in mir rumoren, als ob es ein schlechter Entschluss ist. Ist es ein schlechter Entschluss?
          Nein.
Der Plan wird mich mehr kosten als Überwindung, aber ich laufe bereits die paar Schritte aufs Fenster zu. Ich habe mich überwunden. Ich fühle mich gut.

Ich habe mich wirklich zu lange geärgert, wisst ihr? Jeden Abend saß ich zuhause, und hätte alles und jeden zerschlagen können, so wütend war ich. Und warum?

Ich bin einen Schritt vom Fenster entfernt, ich hebe die Arme mitsamt Laptop, Akku und Kabel über den Kopf und schmeiße das Scheißteil mit voller Wucht aus dem Fenster.
"SCHEISSTEIL!", rufe ich hinterher und sehe dabei zu, wie diese technische Ausgeburt der Hölle auf der Straße aufprallt und regelrecht zerschellt wie ein lausiger Doppeldecker im Himalayagebirge. Ich feiere mich und meine Tat. Das Scheißding war unglaublich scheiße. Und jetzt ist es vorbei mit Abstürzen, "Der Anzeigetreiber wurde wiederhergestellt" und "Fehlerbericht senden?". Ich lache aus vollem Herzen, vielleicht rinnt mir auch eine Träne des Glücks über die Wange, ich weiß es nicht. Ich würde gerne noch auf die Überreste schießen, aber ich habe keine Pistole.
Ich hole einen Besen, und hoffe, keines der Autos hat Splitter abbekommen. Ich fege die Trümmerteile zusammen, und gehe dann wieder ins Haus. Dort wartet mein neuer, besserer Laptop. Zumindest hoffe ich für ihn, dass er besser ist.

Balduin Fýx

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